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Obermeistertagung und Mitgliederversammlung

Autor: root 29.06.2020

Erstmalig in der Offenen Werkstatt in Riesa fand die Tagung coronabedingt mit Abstand statt

Coronabedingt fand erst im Juni 2020 die turnusmäßige Frühjahrszusammenkunft der Obermeister und Mitglieder der Kreishandwerkerschaft statt. Der Kreishandwerks­meister hatte die Mitglieder und Obermeister erstmalig in die „Offene Werkstatt" auf die Lange Straße in Riesa eingeladen. Die „Offene Werkstatt" ist ein wesentlicher Teil des „WIR-Projektes – Innovationsakademie des Handwerks in der Elberegion Meißen". Die Entscheidung war gut getroffen, denn in der ehemaligen Bauausbildungshalle konnten die notwendig gewordenen Abstände eingehalten werden. Es fühlte sich allerdings für den einen oder anderen an, als hätte man eine Prüfung abzulegen. Peter Liebe eröffnete als Kreishandwerksmeister die Versammlung und begrüßte die anwesenden Gäste, wie die Schulleiter vom BSZ Riesa Michael Hampsch und BSZ Meißen-Radebeul Michael Salomon, den Regionalgeschäftsführer der IKK classic Bernd Amann und Walter Klein, Regionaldirektor der SIGNAL IDUNA.

Berufsschulnetzplanung

Der Kreishandwerksmeister berichtete über die Ergebnisse der Gesprächsrunde zum „Dialogprozess zur Berufsschulnetzplanung", zu welchem die Handwerkskammer Dresden am 26. Mai 2020 eingeladen hatte. Diese Zusammenkunft war wie befürchtet lediglich der Versuch von Besitzstandswahrung der einzelnen Gewerke. Bedauerlicherweise wird in der weiteren Diskussion aus seiner Sicht zu wenig auf die Qualität der Ausbildung geschaut. Beispielsweise ist die Qualität der Ausbildung auch abhängig von der Anzahl der Auszubildenden. Bei einer Zweizügigkeit von Fachklassen kann beispielsweise der krankheitsbedingte Ausfall von Fachlehrern besser kompensiert werden.

Die Standortfrage der Bäckerausbildung habe er nicht kommentiert, weil er der Meinung war, dass die Planungen des zukünftigen Standortes Bautzen vorsehen werden. Die jetzt gefundene Lösung ist ein Kompromiss, um den Standort Dresden zu erhalten. Hier wird insbesondere der Konflikt zwischen Stadt und Land deutlich. Es wird von den Dresdner Handwerks­kollegen oft argumentiert, dass es einem 16-jährigen Dresdener Lehrling nicht zuzumuten wäre, ins Umland zu fahren.

Umgekehrt wird vorausgesetzt, dass jeder Azubi aus dem Umland in die Landeshauptstadt zu kommen hat. Ich glaube, wir unterschätzen hier die Flexibilität unserer Jugendlichen. Wenn irgendwo auf dem Dorf ein angesagtes Event ist, kommen auch alle Interessierten irgendwie dahin. Und in der Aus­bildung soll das nicht möglich sein? Weiterhin berichtete er von einer Zusammenkunft zu diesem Thema mit dem Landrat Steinbach, der stellvertretenden Landrätin Putz und Frau Kühne vom Kreisschul- und Kulturamt des Landkreises Meißen. Die Bestrebungen seitens der Kreishandwerkerschaft bestehen darin, die Ausbildung der Dachdecker und der Metaller im Landkreis zu erhalten. Die Bäckerausbildung erfolgt voraussichtlich künftig in Dresden. Um zu dem Sachstand der vorgelegten Planung mehr Hintergrundwissen zu bekommen, bat er Michael Hampsch, den Schulleiter des BSZ für Technik und Wirtschaft Riesa, um seine Einschätzung. Er zeigte anhand verschiedener Statistiken, wie die Berufsschulzentren immer wieder durch Fusionen und Kreisgebietsreformen zahlenmäßig in Sachsen reduziert wurden.

Im Landkreis gibt es jetzt noch drei BSZ, sachsenweit 61. Alle Schulen kämpfen um jeden Lehrling. Wichtigstes Kriterium für den Schulträger (meist der Landkreis) ist eine Planungssicherheit. Das betonte Herr Hampsch in seinem Vortrag mehrfach. Nur bei Sicherstellung, dass die jeweilige Fachklasse dauerhaft etabliert ist, können notwendige Investitionen in die Qualität der Ausbildung vorgenommen werden. Je nach Ausbildungsberuf immerhin zwischen 0,5 bis 1  Million Euro. Die Anzahl der Auszu­bildenden war bisher das Maß aller Ent­scheidungen. Allerdings wird das Wohnortprinzip (wohnortnahe Ausbildung) durch Ausnahmeentscheidungen ständig unterwandert.

Diese Ausnahmeregelung soll mit dieser Berufsschulnetzplanung abgeschafft werden. Das bedeutet, dass beispielsweise die Metallbauer alle – ohne Ausnahme – nach Bautzen in die Schule gehen müssen. Es müssen ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten und günstige Nahverkehrsanbindungen geschaffen werden. Herr Salomon vom BSZ Meißen ergänzte, dass es durch akuten Lehrermangel, insbesondere bei Einzügigkeit der Fachklassen, zu vermehrtem Unterrichtsausfall kommt. So auch in der Vergangenheit bei der Dachdeckerausbildung. Er plädiert außerdem für eine Sicherstellung, dass die Gesamtausbildung komplett an nur einer Schule stattfindet.

Es gilt, einen Kompromiss zu finden, die Qualität des Unterrichts darf nicht von Fahrwegen oder Wohnorten abhängig gemacht werden. Nach einer angeregten Diskussion bekräftigt der Kreishandwerksmeister, dass alles versucht werden muss, die Metallausbildung in Riesa und die der Dachdecker in Meißen hier im Kreis zu halten. Wir kämpfen darum, so Peter Liebe. Alle Obermeister und Mitglieder der Kreishandwerkerschaft stimmten diesem Aufruf zu.

Handwerkercamp in den Ferien

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Region Meißen Jens-Torsten Jacob gab bekannt, dass sich aufgrund der seit März 2020 aufgetretenen Corona-Pandemie der Start des Projekts in der „Offenen Werkstatt" in den September 2020 verschoben hat. Die Tische, Stühle und Werkbänke in der ursprünglichen Bauhalle stammen aus dem ehemaligen Ausbildungszentrum der HWK Großenhain und kamen durch Unterstützung der Unternehmen Elektro Köhler, TSM Bau Möbius und der STRATOS GmbH vor Ort. Herr Jacob bedankt sich an dieser Stelle nochmals offiziell für die Unterstützung.

Mit einem sogenannten Handwerkercamp könnte der Start gelingen. Für die Details übergibt er das Wort an Projektleiter Stephan Franck. Dieser begann seine Ausführungen zunächst allgemein mit den Inhalten und Zielen der Offenen Werkstatt – nämlich zu erreichen, dass sich Schüler aller Schularten für das Handwerk begeistern. Später sollen auch für Auszubildende, Studierende oder Facharbeiter Angebote geschaffen werden. Das erste Handwerkercamp unter dem Motto „Da geht mir doch ein Licht auf! – Bau Deine eigene Designlampe" wird in der Zeit vom 20. bis 24. Juli 2020 Schülern ab der 8. Klasse angeboten. Über eine Woche nimmt man sich Zeit, Jugendlichen durch den Bau einer Designlampe an die verschiedenen Handwerksgewerke heranzuführen. Hier vereint ein selbst gefertigtes Produkt Bau-, Elektro- und Metallhandwerk und kann abschließend von den Beteiligten mit nach Hause genommen werden.

Ein weiteres Angebot in der „Offenen Werkstatt" ist für den 10. bis 14. August 2020 geplant. Das Thema des zweiten Hand­werkercamps „Mal mal! – Gestalte Deine eigene Wand" wurde von Friederike Kislinger präsentiert. In dieser Woche sollen die Teilnehmer in Teamarbeit gemeinsam Ent­würfe für eine Wandgestaltung erarbeiten und letztendlich an die Wände gebracht werden. Nach ersten Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern des angrenzenden Stempel-Gymnasiums zeichnet sich bereits großes Interesse für eine Teilnahme ab. Als Ausblick wird ein dritter Termin für ein weiteres Handwerkercamp bekannt gegeben: Am 9. September 2020 kann ein eigener Synthesizer gelötet werden.

Jahresabschluss 2019

Herr Liebe trägt den Jahresbericht 2019 vor und erinnert nochmals an die Aktivitäten des vergangenen Jahres. Im Besonderen ging er auf das Bauen eines Spielhauses an­lässlich des „Tag der Sachsen" in Riesa ein. Eine, so seine Einschätzung, wunderbare Aktion und Präsentation des regionalen Handwerks. Er bedankt sich ausdrücklich bei allen beteiligten Innungen. Nachfolgend erläuterte der Geschäfts­führer die Jahresrechnung 2019, ihm folgte der Kassenprüfer Herr Brade mit dem Verlesen des Kassenprüfberichts 2019. Nach der Entlastung des Vorstandes und des Geschäftsführers für das Jahr 2019 wurde gemeinsam auf kommende Aktivitäten geschaut.

Demnächst finden wieder Innovationsclubs statt und die 10. Auflage des Lehrstellenkompasses „FutureLine" soll Anfang des Schuljahres veröffentlicht werden. Außerdem berichtet Herr Jacob, über die Möglichkeit regionaler Handwerksbetriebe, über die Sächsische JugendBauhütte jungen Leuten ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalspflege zu ermöglichen. Nach den vielen Themen dieser Tagung lud der Kreishandwerksmeister zu einer zünftigen Grillwurst vom Fleischermeister Schempp ein. Gern nahmen die Teilnehmer dieses Angebot an und nutzten die Gelegenheit zu weiteren intensiven Gesprächen.

(KHS)