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Offener Brief des Obermeisters der Uhrmacherinnung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Gründung der Innung der Uhrmacher Ostsachsen begeht im kommenden Jahr ein rundes Jubiläum. Am 9. April 1990 wurde sie gegründet und würde somit 30 Jahre alt werden. Nicht jede Innung kann auf ein erfolgreiches Wirken seit der Wende verweisen. Manfred Kuge aus Riesa hat die Innung seit ihrer Gründung als Obermeister geführt. 2006 übergab er den Staffelstab an mich. Inzwischen habe ich das Amt des Obermeisters seit 13 Jahren inne und bemühe mich seit geraumer Zeit, einen Nachfolger zu finden.

Ich wünschte mir so ein Postengerangel, wie es die Bundespolitik vorlebt. Wir haben viele junge Meister und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sich einer oder eine von Ihnen bereit erklärt, die Tradition unseres Gewerkes mittels dieses Amtes weiterzuführen. Leider sind meine Bemühungen bisher nicht erfolgreich gewesen und wir stehen vielmehr vor der Frage, ob die Innung noch vor ihrem Jubiläum aufgelöst werden muss. Meine Wahlperiode endet in diesem Jahr und finden wir keinen Nachfolger, bedeutet das schlichtweg, dass sich unsere Innung auflöst. Ich möchte mir dies nicht vorstellen. Es kann nicht sein, dass die jahrzehntelange Arbeit der Innung umsonst gewesen ist. Wir brauchen dann auch nicht zu jammern, wenn uns keiner mehr wahrnimmt. Wir wissen selbst, dass die Organisation des Handwerks nicht so riesig da steht, wie sich die Industrie aufstellt – umso mehr müssen wir dranbleiben und unsere Berufsinteressen sicherstellen. Mit einer Auflösung der Innung verschenken wir unser selbst aufgebautes Prestige, die positive Einflussnahme auf all die berufsbezogenen Ausbildungsinhalte und geben den Kritikern recht, die da meinen, dass es keiner Innungen bedarf.

Ich appelliere an Ihre Berufsehre und möchte Sie hiermit aufrufen, selbst Verantwortung für unser Uhrmacherhandwerk zu übernehmen. Sofern Sie noch nicht Mitglied unserer Innung sind, wäre das schon einmal der erste Schritt. Wir brauchen engagierte Berufskollegen, die bereit sind, den Staffelstab aufzunehmen und im Interesse des Uhrmacherhandwerks die Innung weiterzuführen. Sie sind dabei nicht allein, das verspreche ich Ihnen. Von meiner Seite können Sie mit jeglicher Unterstützung rechnen und werden außerdem mit Rat und Tat von den Altmeistern und der Kreishandwerkerschaft begleitet.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mit mir darüber in den Dialog einsteigen und wir gemeinsam eine Lösung für eine erfolgreiche Zukunft des Uhrmacherhandwerks in Ostsachsen finden.

Mit nachdenklichen Grüßen Bernd Seffner, Obermeister